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CAFM kostenlos vs Profi-Software: Was wirklich passt
Ehrlicher Vergleich: Wann reicht Excel oder Notion, wann lohnt sich CAFM-Profi-Software wie Planon – und wo liegt der Mittelweg für KMUs?
„Brauche ich wirklich eine teure CAFM-Software oder reicht Excel?" – diese Frage stellt sich jeder Verwalter, jeder Facility Manager und jeder Mittelständler früher oder später. Die ehrliche Antwort: Es kommt darauf an. Aber nicht so vage, wie es klingt – es gibt klare Kriterien, an denen du es festmachen kannst. In diesem Artikel bekommst du den ehrlichen Vergleich zwischen kostenlosen Lösungen, mittelständischen Systemen und Enterprise-Plattformen – ohne Marketing-Geschwurbel.
## Was bedeutet CAFM überhaupt?
CAFM steht für *Computer Aided Facility Management*. Gemeint sind Software-Lösungen, die das Facility Management eines Gebäudes oder Bestands digital unterstützen: Flächenverwaltung, Wartungsplanung, Reinigungsmanagement, Schlüsselverwaltung, Energiemonitoring, Helpdesk, Mietverträge, Inventar und vieles mehr. Die Bandbreite ist enorm – vom kostenlosen Notion-Template bis zur sechsstelligen Enterprise-Plattform.
Das eigentliche Problem: Anbieter werben gern mit „CAFM für alle", aber die Realität ist, dass dieselbe Software für unterschiedliche Größenordnungen entweder zu klein oder zu groß ist. Der Trick liegt darin, ehrlich zu sich selbst zu sein, in welcher Phase man steckt.
## Die drei Welten im Überblick
Groß vereinfacht gibt es drei Lager:
1. **Kostenlos / Bordmittel:** Excel, Google Sheets, Notion, Trello, Airtable Free, Papier. 2. **Mittelstandstaugliche SaaS:** spezialisierte CAFM/Facility-Tools für 5-200 Liegenschaften, monatlich pro Objekt oder pro Nutzer abgerechnet, oft im niedrigen 3-stelligen Euro-Bereich pro Monat. Beispiel: FacilityStack. 3. **Enterprise-CAFM:** Planon, Archibus, IBM TRIRIGA, Wave Facilities, ConjectFM. Lizenzen plus Implementierung gehen schnell in den 5- bis 6-stelligen Bereich, lange Einführungsprojekte (6-18 Monate).
Jede Welt hat ihre Berechtigung. Die Kunst ist, in der richtigen zu landen.
## Die Vergleichstabelle
| Kriterium | Excel / Notion / Trello | FacilityStack (Mittelstand) | Planon / Archibus (Enterprise) | |---|---|---|---| | Einstiegspreis | 0 € | ~30-150 € / Monat | ab 25.000 € + Lizenzen | | Einrichtungsdauer | Stunden | Tage | 6-18 Monate | | Liegenschaften (typisch) | 1-3 | 3-200 | 100-10.000+ | | Nutzer | 1-5 | 5-200 | 50-10.000 | | Wartungsplanung | manuell | automatisch + Erinnerungen | hochgradig konfigurierbar | | Mobile App | nein / nur Browser | ja, nativ | ja | | Mehrbenutzer in Echtzeit | begrenzt | ja | ja | | Audit-Log | nein | ja | ja | | Rollen / Rechte | keine | rollenbasiert | komplex bis ERP-Integration | | BIM-Integration | nein | grundlegend | umfassend | | Integration ERP / SAP | nein | API / Webhooks | Standard | | Schulungsbedarf | gering | gering bis mittel | sehr hoch (eigene Akademien) | | Anpassbarkeit | hoch (frei) | mittel (Module) | extrem hoch (Customizing) | | Vendor-Lock-in | gering | gering (Datenexport) | hoch | | Beste Wahl für | Solo, kleinste Bestände | KMU, Hotelketten, Verwaltungen | Konzerne, Krankenhäuser, Universitäten |
Diese Tabelle ist bewusst vereinfacht – sie hilft dir aber, schnell einzuordnen, in welche Klasse du wirklich gehörst.
## Wann reicht „kostenlos"?
Kostenlose Tools sind keine schlechte Wahl. Im Gegenteil: Wenn du dich in einer dieser Situationen wiederfindest, bist du mit Excel, Notion oder Airtable Free besser bedient als mit jeder Software:
- Du verwaltest 1-3 Liegenschaften. - Du arbeitest allein oder mit einer zweiten Person, die selten auf dieselben Datensätze zugreift. - Deine Wartungsanlagen sind übersichtlich (< 30). - Du brauchst keine Mobile-Erfassung – du machst alles vom Schreibtisch. - Du hast keine externen Prüfer, die regelmäßig Audit-Trails sehen wollen. - Du investierst lieber Zeit in saubere Excel-Pflege als Geld in Software.
Google Sheets schlägt Excel in dieser Klasse, weil mehrere Personen gleichzeitig arbeiten können. Notion und Airtable schlagen Sheets in puncto Bedienkomfort und Verlinkung – kosten aber spätestens beim ersten ernsthaften Foto-Upload oder bei mehr als 1.000 Datensätzen Geld.
## Die versteckten Kosten von Excel
Wer „kostenlos" sagt, meint meistens „keine Software-Rechnung". Aber die echten Kosten von Excel im Facility Management entstehen woanders. Eine Beispielrechnung für ein mittleres Hausverwalterbüro mit 20 Liegenschaften und 3 Mitarbeitern:
- **Manuelle Erinnerungen:** 1 Stunde pro Woche, um Wartungslisten durchzugehen und Erinnerungen zu setzen → 52 h/Jahr × 50 € = **2.600 €** - **Doppelarbeit durch Versionschaos:** im Schnitt 2 h pro Woche, weil Daten doppelt eingegeben oder zusammengeführt werden → 104 h × 50 € = **5.200 €** - **Vergessene Wartungen:** 1-2 versäumte Termine pro Jahr mit Folgekosten (Eilreparatur, Strafzahlung, Nachprüfung) → konservativ **2.000 €** - **Unauffindbare Protokolle:** Suchaufwand bei Versicherungs- oder Behördenanfragen → 5 h × 80 € = **400 €** - **Im Schadensfall:** fehlende Audit-Sicherheit kann zur Versicherungs-Mitleidigkeit führen → schwer quantifizierbar, aber im Worst Case **5-stellig**
Nimmt man die ersten vier Punkte, landet man bei rund **10.000 € Kosten pro Jahr**, ohne dass jemals eine Software-Rechnung geschrieben wurde. Eine Software, die diese Probleme löst, kostet einen Bruchteil davon.
## Wann reicht Mittelstands-SaaS?
Der Mittelstandsbereich ist der größte Markt, weil hier die meisten Verwaltungen, Hotels, Filialisten, Schulen und Krankenhäuser landen. Du gehörst dazu, wenn:
- Du 3-200 Liegenschaften verwaltest. - Mehrere Personen täglich mit dem System arbeiten. - Du Mobile-Erfassung vor Ort brauchst (Hausmeister, Techniker). - Du wiederkehrende Prüfungen (Wartung, Compliance) systematisch dokumentieren musst. - Du Audit-sichere Protokolle für Behörden, Versicherungen oder Eigentümer brauchst. - Du keinen halbjährigen Implementierungsprozess durchlaufen willst. - Dein Budget im Bereich 50-500 € pro Monat liegt und du innerhalb von 1-2 Wochen produktiv sein willst.
In diesem Segment spielen FacilityStack, einige spezialisierte CAFM-SaaS-Anbieter und ein paar deutsche Wartungs-Tools. Was hier den Unterschied macht: Time-to-Value. Eine gute Mittelstands-Software ist innerhalb von 1-2 Wochen produktiv, nicht erst nach einem Jahr Customizing.
## Wann braucht es Enterprise-CAFM?
Enterprise-Lösungen wie Planon, Archibus oder IBM TRIRIGA sind großartig – aber nur, wenn du sie wirklich brauchst. Klare Indikatoren:
- Du verwaltest > 200 Liegenschaften oder > 100.000 m² gemischter Flächen. - Du hast eine eigene FM-Abteilung mit > 10 Mitarbeitern. - Du brauchst tiefe Integration in SAP, Oracle oder andere ERP-Systeme. - Du arbeitest mit BIM-Modellen und CAD-Plänen direkt in der CAFM-Software. - Du musst internationale Reportings für mehrere Länder konsolidieren. - Dein Implementierungsbudget liegt im 6-stelligen Bereich. - Du hast die Zeit und Personal, einen 6-18 Monate dauernden Rollout zu stemmen.
Wenn auch nur einer dieser Punkte zutrifft, sind Enterprise-Lösungen ihr Geld wert. Wenn keiner zutrifft, kaufst du dir Komplexität, die du nie nutzen wirst – und die deine Mitarbeiter abschreckt.
## Die häufigsten Fehlentscheidungen
In der Praxis sehe ich drei wiederkehrende Fehler:
**Fehler 1: Zu lange bei Excel bleiben.** Aus Bequemlichkeit oder Sparsamkeit hält man an Excel fest, obwohl man längst in der Mittelstandsklasse spielt. Die versteckten Kosten oben kennt man nicht, weil sie nicht auf einer Rechnung stehen. Die Folge: hoher Stress, vergessene Termine, Streit im Team.
**Fehler 2: Zu früh Enterprise kaufen.** Aus Sicherheitsdenken oder weil ein Berater es empfohlen hat, kauft man Planon oder Archibus, obwohl man eigentlich nur 15 Liegenschaften hat. Folge: 12 Monate Implementierung, niemand will das System bedienen, am Ende wird es trotzdem in Excel gepflegt – und alle frustriert.
**Fehler 3: Software ohne Strategie.** Software löst keine organisatorischen Probleme. Wer keine klaren Wartungsintervalle, Verantwortlichkeiten und Prozesse hat, bekommt mit Software ein digitales Chaos statt eines analogen. Erst Prozess, dann Tool.
## Entscheidungsbaum: Was passt zu dir?
Eine schnelle Entscheidungshilfe:
1. Verwaltest du < 3 Liegenschaften und arbeitest allein? → **Excel / Sheets** reicht. 2. Verwaltest du 3-200 Liegenschaften, brauchst Mobile-Erfassung und Audit-Sicherheit? → **Mittelstands-SaaS wie FacilityStack** ist der Sweet Spot. 3. Verwaltest du > 200 Liegenschaften, brauchst SAP-Integration und BIM? → **Enterprise-CAFM** ist die Wahl. 4. Bist du dazwischen und unsicher? → Starte mit Mittelstands-SaaS und einer 14-Tage-Trial. Im Notfall migrierst du später nach oben – aber wahrscheinlich brauchst du es nie.
## Worauf du beim Anbieter achten solltest – egal welche Klasse
- **Datenexport jederzeit möglich?** CSV, Excel, API – wenn nicht, ist es Vendor-Lock-in. - **Hosting in der EU?** Für DSGVO-konforme Verarbeitung essenziell. - **Verbindliche SLAs?** Was passiert bei Ausfall, wer haftet? - **Klare Preisstruktur?** Pro Liegenschaft, pro Nutzer, pro Modul – keine versteckten Kosten. - **Kostenlose Testphase?** Wer nicht testen lässt, hat etwas zu verbergen. - **Deutscher Support?** Im Facility Management ist Sprache des Supports business-kritisch.
## Migration zwischen den Klassen – was du bedenken musst
Viele unterschätzen, wie schwer ein Wechsel zwischen den Klassen ist. Der Sprung von Excel zu Mittelstands-SaaS ist meistens unproblematisch: ein paar Tage Daten bereinigen, CSV-Import, Schulung. Der Sprung von Mittelstands-SaaS zu Enterprise ist eine eigene Disziplin – mit Datenmigration, Prozessneudefinition und Change-Management. Plane für den umgekehrten Weg (Enterprise zurück zu Mittelstand) noch mehr Zeit ein, weil Enterprise-Systeme oft Daten in proprietären Strukturen halten.
Mein Rat: Wenn du heute in Klasse 1 bist und absehbar in Klasse 2 wirst, wechsle früher als nötig. Ein zu großer Datenberg ist die häufigste Bremse. Wenn du in Klasse 2 bist und prüfen willst, ob Klasse 3 nötig ist, mach einen ehrlichen 6-Monats-Test mit der Mittelstandslösung – meistens reicht sie.
## Total Cost of Ownership ehrlich rechnen
Der Listenpreis ist nur ein Teil der Wahrheit. Rechne in jeder Klasse mit:
- **Lizenzkosten / Subscription** (offensichtlich) - **Implementierung und Customizing** (bei Enterprise oft das 2- bis 5-fache der Lizenz) - **Schulungsaufwand** (in Mannstunden, nicht in Euro – das wird gerne vergessen) - **Pflegekosten der Stammdaten** (jemand muss das System aktuell halten) - **Schnittstellen zu anderen Systemen** (ERP, Buchhaltung, HR) - **Ausstiegskosten** bei Anbieterwechsel (Datenexport, Reformatieren, Migration)
Für ein realistisches 3-Jahres-TCO addiere alle Posten und vergleiche dann die drei Klassen miteinander – nicht nur den ersten Monatspreis. Oft ist Mittelstands-SaaS unschlagbar, weil Posten 2 und 6 gegen null gehen.
## Fazit: Ehrlich zu sich selbst sein
Es gibt keine universell richtige Antwort auf „kostenlos vs. Profi-Software". Es gibt nur die richtige Antwort für deine aktuelle Größe, dein Team und deine Prozesse. Sei ehrlich zu dir selbst:
- Wenn du noch in Phase 1 bist: bleib bei Excel, aber strukturiert. - Wenn du in Phase 2 bist: investiere in eine Mittelstandslösung, bevor die versteckten Kosten dich auffressen. - Wenn du in Phase 3 bist: nimm dir Zeit für eine saubere Enterprise-Auswahl.
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